Wiener Weltkino: Neue Viennale-Direktorin vorgestellt

Today the new director of the Viennale was introduced.
I’m looking forward to seeing the fresh mood will bring to the festival after 20 years of Hurch and the changes she already hinted at today. Thankfully it’s somebody from outside the Vienna/Austria film bubble. Let’s hope some industry people will welcome her with a kindlier attitude in autumn than at today’s press conference.

Below is a straight-forward German piece I wrote for tomorrow’s paper about it.


Wiener Weltkino

Neue Viennale-Direktorin vorgestellt

Wien. Die Viennale bleibt international und wird weiblich. Seit gestern ist die 39-jährige Eva Sangiorgi die designierte Viennale-Direktorin. Sie wird im März dem verstorbenen Hans Hurch nachfolgen und ihre erste Viennale Ende Oktober 2018 verantworten. Zur Zeit ist die aus der Nähe von Ravenna stammende Sangiorgi noch Leiterin des FICUNAM Festivals in Mexico City, das sie 2010 gründete. Neben Italienisch und Spanisch spricht die Italienerin Englisch und Französisch; Deutschstunden stünden nun natürlich am Plan: “Die Viennale ist ein Festival mit Kultcharakter und nimmt in meinem persönlichen Leben schon lange einen wichtigen Platz ein.” Inhaltlich will die frische Direktorin, neben dem bewährten Verzicht auf Wettbewerbe, das Programm mehr für junge, unbekannte FilmemacherInnen öffnen und “die Trennung zwischen Dokumentar- und Spielfilm aufheben”. Außerdem sprach sie sich für mehr Kooperation und eine Öffnung hin zur bildenden Kunst aus und will tägliche Gesprächs-Veranstaltungen zwischen Publikum und Filmemachenden etablieren.

 

Ausschlaggebend für die mutige Entscheidung des Kuratoriums sei die hervorragende internationale Vernetzung und Festivalerfahrung gewesen, so der interimistische künstlerische Leiter Franz Schwartz. Der 7-köpfigen Findungskommission des Viennale-Kuratoriums gehörte neben der Filmjournalistin Gabriele Flossmann und Falter-Chefredakteur Armin Thurnher unter anderem auch die Filmemacherin Tizza Covi an. Es seien 30 Bewerbungen, darunter 18 aus Österreich und 12 aus dem Ausland, eingegangen. Geschäftsführerin Eva Rotter, die sich im Vorfeld bereits für eine internationale Lösung ausgesprochen hatte betont, dass Sangiorgi “den internationalen Charakter des Festivals erfasst und erkannt hat.”

Bei der Vorstellung im Wiener Metrokino wurde Kritik an dieser durchaus legitimen nicht-österreichischen Präferenz laut. Seit Jahren kritisierten Teile der Wiener Filmblase Langzeitchef Hans Hurch für sein Desinteresse am Austro-Kino, das ja beim Festival des österreichischen Films Diagonale in Graz seine Plattform hat. SPÖ-Kulturstadtrat Mailath-Pokorny betont gerne die weltoffene Kulturpolitik gegen Abschottung und Provinzialismus: Es werde “die internationale Ausrichtung des größten österreichischen Filmfestivals noch stärker betont.” Außerdem sei er froh, eine Frau an der Spitze einer Wiener Kulturinstitution zu sehen: “Ich hoffe, wir müssen nicht mehr lange darauf hinweisen.”

 

[erstmals publiziert in: Dolomiten 12. Jänner 2018]

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