Monster aus dem ewigen Eis – Review: BLUTGLETSCHER

Sulden ist ja nicht unbedingt verdächtig, ein sehr unheimlicher Ort zu sein. Trotzdem ist “Blutgletscher”, der Horrorfilm des Österreichers Marvin Kren, am Ortler gedreht worden. Es geht darin um die Klimaforschungsstation Glacius. Sie ist mit drei Wissenschaftlern und einem Ingenieur besetzt. Letzterer heißt Janek und lebt schon fünf Jahre in dieser Einsamkeit. Doch dann passieren plötzlich seltsame Dinge: der Gletscher färbt sich blutrot und Janeks Hund wird von einer merkwürdigen Kreatur verletzt. Die Wissenschaftler haben eine Theorie, die sich bald bewahrheitet: Durch die Gletscherschmelze hat das ewige Eis Mikroorganismen freigegeben, die ihre Wirtstiere mutieren und Kombinationen wie Fuchsassel und Adlerbiene entstehen lassen – die brutale Rache der Natur als Kritik am Klimawandel. Die Natur beweist dabei gutes Timing: Denn gerade jetzt kommt auch noch Yanniks alte Liebe Tanja und die Umweltministerin mit ihrer Entourage zu einem PR-Besuch vorbei – und die Ministerin entwickelt in dieser Situation ungeahnte Fähigkeiten.

Was zunächst nach einem B-Movie klingt, wird von Kren sehr reduziert inszeniert und damit vor der Lächerlichkeit bewahrt. Nur der mutierte Steinbock sorgt für etwas Splatter-Komik. Kamera und vorallem Ton und Musik sind dagegen professionell und effektiv eingesetzt um Angst zu erzeugen. Marvin Kren weiß auch die Landschaft zu nutzen und bringt das Bedrohliche der Berge zum Vorschein. “Alles andere als alpine Postkarten-Romantik” wollte er damit vermitteln. Erstaunlicherweise funktioniert diese Kombination auch auf österreichisch: Inmitten dieser Kulisse erweckt er so eine klassische Monster-Horrorgeschichte zum Leben. “Creature Feature” nennt sich dieses Genre und Kren orientiert sich an den großen Genremeistern aus den USA, wie etwa Ridley Scotts “Alien”, Cronenbergs “The Fly” oder vorallem auch “The Thing”, das im Remake von John Carpenter zum Genremeilenstein wurde. Die einsame Station inmitten der eisigen Natur bringt Kren vom Südpol in die heimische Bergwelt und auch Janeks Figur ist eine Wiener Variante des bärtigen wortkargen Kurt Russell. So verwundert es auch nicht, dass es im “Hollywood Reporter” hieß, der Film sei die österreichische Antwort auf “The Thing”. Das darf durchaus als Lob aufgefasst werden. Die Mischung überzeugte auch beim internationalen Publikum: “Blutgletscher” wurde – als erster österreichischer Film überhaupt – in der Reihe “Midnight Madness” beim großen Filmfestival von Toronto gezeigt und eröffnete letzte Woche das Slash-Filmfest in Wien. Auch wenn es hierzulande schwierig ist: der Mut zum Genrefilm erwacht.

 

[erschienen in Die Dolomiten, Print-Ausgabe vom Do 26.9.2013]

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