Tödliche Nebenwirkungen – Review SIDE EFFECTS

“Side Effects” wird Steven Soderberghs letzter Kinofilm sein. Das hat der 50-Jährige Oscar-Gewinner bei der Premiere auf der diesjährigen Berlinale bekräftigt; es sei zu frustrierend im heutigen Studio-System interessante Projekte zu verwirklichen und er wolle zumindest eine längere Karriere-Pause einlegen. Dafür hat er diesmal nocheinmal einige Stars aufgeboten; Shooting Star Rooney Mara (“The Social Network”, “Verblendung”) gibt die junge Emily Taylor. Zu Beginn der Geschichte begrüßt sie ihren Mann (Channing Tatum), der gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde. Als Börsenmakler mischte er bei illegalen Insidergeschäften mit und muss sich nun wieder hocharbeiten um zu seinem früheren Leben mit Emily zurückzukehren. Doch Emily kann nach der langen Zeit alleine nicht mit seiner Rückkehr umgehen und verfällt in Depressionen. Damit hat Jude Law alias Dr. Banks seinen Auftritt. Er behandelt die attraktive Emily und verschreibt ihr ein neuartiges heftig beworbenes Antidepressivum namens Ablixa.

Damit schlägt der Film einen ungewöhnlichen Hacken: Soderbergh lässt seine Figuren fast unbemerkt den Platz wechseln, Dr. Banks wird zum neuen Protagonisten. “Side Effects” wird – durch die mehr als unerwünschten Nebenwirkungen des Medikaments auf Emily – zum Gerichtsthriller, Dr. Banks als behandelter Arzt gerät in die Schusslinie. Und dann ist da noch Emilys undurchsichtige frühere Psychiaterin Dr. Siebert, unnahbar verkörpert von Catherine Zeta-Jones.

In diesem verzwicktem Psychothriller mit gesellschaftskritischem Unterton ist nichts wie es scheint. Die Pharmaindustrie, die in Amerika sehr viel dominanter auftritt als wir es in Europa kennen, wird von “Side Effects” nicht begeistert sein. Soderbergh hat mit seinem letzten Film aber vorallem einen dichten Hochglanz-Genrefilm vorgelegt und nocheinmal all seine filmische Erfahrung aufgeboten. Die Figuren und ihre dunklen Seiten sind auch dank ihren hervorragenden Darstellern glaubhaft und die bedrohliche Atmosphäre, die Soderbergh um sie herum erzeugt, ist durchaus kraftvoll. Lediglich die Geschichte mit ihren Twists ist einigermaßen überfrachtet und erinnert eher an eine hochklassige Mini-Serie. Knapp 2 Stunden sind schlicht zu wenig um diese interessante Story völlig glaubwürdig auszuerzählen.

Soderberghs angekündigtes Karriere-Ende wird übrigens demnächst beim Filmfestival in Cannes nocheinmal verschoben. Dort wird nämlich seine für den US Kabel-TV-Sender HBO produzierte Arbeit “Behind the Candelabra” im Wettbewerb zu sehen sein.

[Ursprünglich erschienen in „Die Dolomiten“, Print-Ausgabe vom 3.Mai 2013]

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