Hollywood rettet die Welt – Review ARGO

Die islamische Revolution im Iran 1979 und die Produktion eines Hollywood Science Fiction B-Movies haben wenig miteinander zu tun. In “Argo” kommt dennoch beides zusammen. Umso erstaunlicher, dass die Geschichte von Ben Afflecks dritter Regiearbeit auf einer historischen Begebenheit beruht. Im Zuge der Revolution wurde damals bekanntlich die amerikanische Botschaft in Teheran gestürmt und die Botschaftsangestellten als Geiseln genommen. Sechs von ihnen gelang allerdings unbemerkt die Flucht ins Haus des kanadischen Botschafters. Die Geschichte, die der Film nun über den CIA-Agenten Tony Mendez erzählt, klingt so abenteuerlich, dass sie durchaus eine Komödie abgeben könnte, wäre sie nicht wahr (die Geheimakten dazu wurden erst in den 90er Jahren freigegeben). Mendez wird nämlich beauftragt die sechs Amerikaner aus dem Iran heraus zu schmuggeln. Zu diesem Zweck will er sie als kanadisches Filmteam auf Drehort-Suche tarnen. Nachdem einige andere Möglichkeiten verworfen wurden, kann er seine Vorgesetzten davon überzeugen, dass seine “Option Hollywood” noch die besten Erfolgschancen hat. Er selbst gibt den Produzenten und zusammen mit CIA-Kontakten in Hollywood – großartig John Goodman! – bereitet er den falschen Film im Film penibel vor, inklusive Drehbuch, Poster und Presse. Wirklich Fahrt nimmt “Argo” auf als Mendez im Iran eintrifft und die zu Befreidenden in ihre falschen Identitäten einweist. Afflecks Leistung als Regisseur ist, dass er eine Geschichte, deren Ausgang von Anfang an recht klar ist, dennoch extrem spannend erzählt. Ohne zuviel zu verraten, sei gesagt, dass einen der Cliffhanger des Films durchaus nägelbeißend an den Rand des Kinosessels rutschen lässt. “Argo” ist daher trotz der absurden story zuallererst ein Agententhriller. Affleck orientiert sich dabei auch stilistisch an Filmen der 70ern wie “Drei Tage des Condors” oder “All the President’s Men”, die ohne pompöse Action und Schnörkel Spannung aufbauen. Sehr routiniert wird dabei vieles nur angedeutet und wenig auserzählt. Es bleibt in den 120 Minuten keine Zeit für ausladende Monologe und lange Szenen, so wie auch in der Filmhandlung die Zeit drängt, das Land zu verlassen.

Lediglich im Prolog und im Epilog deutet Affleck mit Archivmaterial die große Historie rund um diese kleine wahre Geschichte an, vielleicht mit etwas zu viel Heldenpathos. Leichte Schwächen zeigt der Film nur bei den doch arg klischeehaften ‘bösen Iranern’ – was durchaus aktuelle politische Brisanz hat. Davon abgesehen ist “Argo” aber ein mehr als ordentlicher Thriller und im Rennen um die Oscars vorne mit dabei.

[gekürzt erschienen in Die Dolomiten, Print-Ausgabe vom 26.11.2012]

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