Die traurigen Augen der Tiffany Blechschmid – Review ANLEITUNG ZUM UNGLÜCKLICHSEIN

Leider in Nordtirol nicht mehr im Kino. Aber der perfekte Film für einen netten DVD-Abend, nicht nur als chick flick.

Paul Watzlawicks Buch “Anleitung zum Unglücklichsein” ist kein Roman und der gleichnamige Film ist keine Verfilmung. Auch wenn das dünne Büchlein nun als “Bestseller zum Film” mit einem Vorwort der Regisseurin neu aufgelegt wird, leiht sich die Deutsch-Amerikanerin Sherry Horman vom österreichisch-amerikanischen Psychoanalytiker Watzlawick eher die thematische Unterlage als konkrete Inhalte. Das macht aber nichts, denn ihr ist damit ein zauberhaft-leichtes Stück Kino gelungen.

Die Hauptfigur ist eine junge Frau Anfang dreißig, Besitzerin eines Feinkostladens und eines Namens für den sie ihrer toten Mutter immer noch Vorwürfe macht. Diese verfolgt sie in Form von Iris Berben regelmäßig und bringt das Problem ihrer Tochter auf den Punkt: “In der Kindheit die Gründe für’s Unglücklichsein zu suchen, ist zu einfach.” Die liebenswert verrückte, abergläubische Tiffany wird von Johanna Wokalek gespielt, die man sowohl am Burgtheater als auch in prominenten deutschen Filmen kennt (etwa als Terroristin in “Der Baader Meinhof Komplex” oder in “Die Päpstin”). Die Handlung dreht sich im Grunde darum, wie Tiffany ihre selbsterfüllenden Prophezeiungen über ihr eigenes Unglück zu überwinden versucht und ihr Glück in der Liebe bei einem ihrer beiden Verehrer sucht und vielleicht findet. Der eine ist ein norddeutscher Macho-Polizist, der andere ein sensibler Fotograf. Und da sind dann auch noch ihre schrulligen Mitarbeiter im Laden und der väterliche Freund. Wem das alles ein wenig bekannt vorkommt, der braucht nur den wunderschön in Szene gesetzten Ort Berlin-Kreuzberg durch Montmartre in Paris zu ersetzen und den Feinkostladen “Blechschmid’s” durch das “Cafe de Deux Moulin”: Die Parallelen zur “Fabelhaften Welt der Amelie” sind mehr als deutlich, auch wenn hier in Berlin eine eigene Geschichte erzählt wird. Genauso unterhaltsam-flockig wird mit der subjektiven Perspektive der Hauptfigur gespielt und “Anleitung zum Unglücklichsein” ist vielleicht neben dem tragisch-komischen “Oh Boy” mit Tom Schilling der beste Berlin-Film der letzten Jahre. Der Vergleich mit “Amélie” darf also durchaus als Kompliment verstanden werden.
Sherry Hormann machte sich nach dieser gelungenen leichten Liebeskomödie übrigens an eine ungleich schwerere Kost: die dieser Tage präsentierte Verfilmung der Natascha-Kampusch-Autobiographie “3096 Tage”. Von so einem Schicksal ist “Anleitung zum Unglücklichsein” meilenweit entfernt und man ist froh, sich nur in die Luxusprobleme von Tiffany Blechschmid entführen zu lassen.

[gekürzt erschienen in Die Dolomiten, Print-Ausgabe vom 28.2.2013]

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