Berlinale 4: Die Bären sind vergeben (Abschlussbericht)

Die Bären sind vergeben
Gewinner und Verlierer der Berlinale 2013

Für Österreich erfüllte sich die Hoffnung auf einen Bären nicht. Ulrich Seidl gewann mit Paradies:Hoffnung keinen der begehrten Preise. Die Filmnation Frankreich, die drei der 19 Wettbewerbsfilme stellte ging ebenso leer aus wie der einzige Beitrag aus Deutschland. Auch in den Nebenschienen war für die Asyl-Doku “Die 727 Tage ohne Karamo” und zwei weitere Beiträge aus Österreich, sowie für Italien (heuer vorallem mit Kurzfilmen vertreten) die einzige Auszeichnung bei der 63. Berlinale dabei gewesen zu sein.

Beim Siegerfilm “Die Stellung des Kindes” handelt es sich um ein psychologisches Drama einer schwierigen Mutter-Sohn-Beziehung in der Oberschicht. Wie weit geht man um sein Kind vor einer gerechten Strafe zu bewahren? Barbu, der erwachsene Sohn, fährt ein Kind tot und seine Mutter Cornelia versucht ihn mit Geld und Einfluss vor der Haft zu retten, ihn wieder einmal vor der eigenen Verantwortung zu bewahren. Das Thema Korruption wird geschickt in diese Geschichte eingeflochten, im Zentrum steht aber die maßlose Liebe der Mutter, die Unfähigkeit ihren Sohn loszulassen – also ein universelles Thema. Regisseur Călin Peter Netzer, der in Stuttgart aufwuchs und zur einer neuen Welle des rumänischen Kinos zählt, meinte, dass die Geschichte zwar von der Beziehung mit seiner eigenen Mutter inspiriert sei, aber auch viel Fiktion beinhalte “Der kleine Junge, der stirbt, steht für den Sohn, der symbolisch stirbt.” Netzer schafft es, gesellschaftliche Zustände in einem persönlichen Drama zu erzählen.
Das gilt auch für den Doppel-Gewinner “Eine Episode aus dem Leben eines Eisensammlers” aus Bosnien – jedoch aus der Perspektive der Armut. Oscar-Gewinner Danis Tanovic (“No Man’s Land”) erzählt hier nicht nur eine wahre Geschichte, sondern lässt eine Familie ihr eigenes Schicksal nachspielen: Die Roma-Familie kann sich eine lebensrettende Operation nach einer Fehlgeburt nicht leisten und die Ärzte weigern sich sie zu behandeln. Der Vater, der immer noch als Eisensammler arbeitet, erhielt dafür den Edelmetall-Bären als bester Schauspieler und erzählte, dass sich auch durch den Film an seiner Situation nicht viel geändert habe. Wie auch schon im Vorjahr ging damit ein Darstellerpreis an einen Laien. Regisseur Danis Tanovic hofft, dass er das nächste Mal mit einem weniger traurigen Film zurückkommen wird. Beide Filme wurden in relativ kurzer Zeit bzw. mit wenig Budget realisiert. Überhaupt konnten im Wettbewerb der 63. Berlinale gerade kleinere Filme die meisten Preise für sich verbuchen.

Weniger tragisch war der chilenische Film “Gloria”. Für die Darstellung der gleichnamigen Hauptfigur – einer frisch-geschiedenen 58-jährigen, die ihrem (Liebes)Leben noch einmal neuen Schwung verleiht – wurde Paulina García ausgezeichnet. “Einen filmischen Bossa Nova” wollte er machen, meinte Regisseur Sebastián Lelio. “Gloria” ist eine unterhaltsam-leichte Komödie, die in den Kinos durchaus ihr Publikum finden dürfte.

Daneben wurden unter anderem noch mehrere Gläserne Bären für die besten Kinder- & Jugendfilme verliehen, sowie die Teddy-Awards für die besten Filme zum Thema Homosexulaität (“In the Name of”, ein polnischer Film aus dem Wettbewerb über einen schwulen Priester).
In der Schiene “Panorama” gewann “The Act of Killing” von Joshua Oppenheimer. Der Film, der von Werner Herzog produziert wurde, zeigen (Massen)mörder Jahrzehnte nach ihren unfassbaren Taten und lässt sie ebendiese beschreiben und filmisch nachstellen – Film im Film über die Banalität des Bösen.

Die 63. Berlinale war insgesamt überaus breit gefächert. Im Wettbewerb waren sowohl qualitativ als auch thematisch sehr unterschiedliche Filme vertreten. Schlussendlich dominierte dieses Jahr starkes Kino aus postsowjetischen Ländern.

[ursprünglich erschienen in „Die Dolomiten“ Di 19.2.2013]

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