Berlinale 3: Jafar Panahi „Pardé“

Geschlossener Vorhang
Jafar Panahis verbotener Film Pardé

Mit dem Film „Pardé – Closed Curtain“ ist der Berlinale und ihren Direktor Dieter Kosslick ein besonderer Coup gelungen. Es ist nämlich bereits der zweite Film, den der Iraner Jafar Panahi illegal gedreht und außer Landes gebracht hat. Panahi, der mit seinem Fussball-Film „Offside“ 2006 den Silbernen Bären in Berlin gewann, ist mit Hausarrest und einem Berufsverbot belegt. Natürlich passt diese Entstehungsgeschichte in den politischen Kontext des Atomkonfliktes, den der Westen mit dem Iran austrägt. Man kann annehmen, dass das Regime Panahi auch strenger überwachen und den Film verhindern hätte können. Dennoch: Es ist eine mutige Filmarbeit und die Konsequenzen, etwa einer Haftstrafe anstatt des Hausarrestes, sind nicht vorhersehbar.
Vor zwei Jahren wurde er bereits erfolglos in die Jury berufen und hatte in Cannes „Dies ist kein Film“ präsentiert, der angeblich auf einem USB-Stick in einem Kuchen versteckt aus dem Haus geschmuggelt worden war. Während dieser eine teils auf einem iPhone gedrehte intime Botschaft Panahis gewesen war, ist „Pardé“ mehr als ein Home Video aus dem Hausarrest. Mit einem Kameramann und Darstellern gedreht wird hier durchaus eine inszenierte gleichnishafte Geschichte erzählt bei der Panahis Haus zugleich Kulisse und Thema ist.

Gleich die erste lange Einstellung zeigt worum es geht: Ein Eisengitter stört die Sicht in die Tiefe auf den Strand. Dann steigt das Alter Ego Panahis aus einem Auto, kommt langsam näher und öffnet das Gitter. Doch kaum im Haus macht er sich daran die Fenster mit schwarzen Vorhängen zu verhängen und so die Außenwelt auszusperren. Anfänglich mit einem Hund alleine, bekommt er bald Besuch von einer rätselhaften Frau, die bei ihm Schutz sucht.
„Pardé“ lässt sich nicht unabhängig vom Schicksal des Regisseurs betrachten – und steht so gesehen in einer ungleichen Konkurrenz zu den anderen Wettbewerbsfilmen. Das Eingesperrtsein ist in jeder Szene sichtbar: Die Enge der Einstellungen im Haus, die Betonung der Fenster, Türen, Schlösser, die leicht bedrohlichen Andeutungen der Gefahr draußen – all das baut Panahi in seinen Film ein. Und im letzten Drittel tritt er dann auch selbst als Mr. Panahi auf und bricht die Geschichte der Figuren auf seine eigene herunter. „Pardé“ ist also mehr als ein fiktives Kammerspiel in einem Strandhaus. Er ist ein selbstreflexives Vexierspiel eines politisch Verfolgten, der die verbotene Kunst intelligent gegen die Politik wendet.

Panahi war übrigens vor dem Berlinale-Palast ein beliebtes Fotomotiv – als Pappfigur mit dem Aufdruck „Ich sollte hier sein“. Nur sein Koregisseur Partovi und seine Darstellerin Maryam Moghadam waren zur Premiere nach Berlin angereist. Der Regisseur selbst hatte – wie erwartet – keine Ausreiseerlaubnis bekommen – trotz einem offiziellen Protestschreiben der deutschen Filmakademie an den iranischen Präsidenten Ahmadinedschad.
Darin heißt es unter anderem: „Es liegt uns fern, Sie über die Gesetze des Islam belehren zu wollen, aber gehört es nicht zum Grundbestand der Rechte eines jeden Muslims, aus beruflichen Gründen ohne Behinderung und Einschränkung zu reisen? Das Reiseverbot gegen Jafar Panahi widerspricht eklatant diesen Grundsätzen. Wir protestieren energisch gegen diesen Akt von Willkür! Die Geschichte zeigt, die Verbreitung von Ideen und künstlerischen Werken lässt sich behindern, aber nicht unterdrücken.“

[ursprünglich erschienen in „Die Dolomiten“ Sa/So 16./17.2.2013]

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