Berlinale 2: „Upstream Color“ (Zwischenbericht) + TPB AFK

Goldenen Western und wilde Farben
Berlinale-Zwischenbilanz

5 Festivaltage sind seit der Eröffnung vergangen. Im Wettbewerb war etwa der in der deutschen Presse hochgelobte deutsche Western „Gold“ mit Nina Hoss ein Fixpunkt oder das französiche Historiendrama „Die Nonne“ mit einer beeindruckenden Performance der Newcomerin Pauline Etienne. Glamour-Stars wechselten sich, wie sich das für ein europäisches Festival gehört, mit den weniger bekannten Filmkünstlern ab und manchmal fiel auch beides zusammen. Aus Amerika etwa Richard Linklater, der mit Julie Delphy und Ethan Hawke Teil drei seiner Romantik-Reihe „Before Midnight“ vorstellte, oder Steven Soderbergh seinen prominent besetzten Film „Side Effects“.

Die unübertroffene Perle war allerdings außerhalb des Wettbewerbs in der Panorama-Reihe zu finden. „Upstream Color“ von Shane Carruth („Primer“) war bereits bei seiner Erstaufführung am Sundance Festival hochgelobt worden und demensprechend sehnsüchtig wurde die internationale Premiere auf der Berlinale erwartet. Im Zentrum steht eine junge Frau, die sich nach einer sehr seltsamen Horror-Erfahrung nicht mehr erinnern kann, was mit ihr passiert ist. Sie wird von der atemberaubenden Amy Seimetz verkörpert, der bei der Viennale 2012 eine kleine Reihe als Regisseurin gewidmet war. Carruth selbst spielt einen Mann, dem das gleiche passiert ist und zusammen versuchen sie eine Lösung zu finden. Das wirklich beeindruckende ist aber die filmische Sprache mit der Carruth diese psychologisch-beklemmende, aber zugleich sehr poetische Beziehungsgeschichte erzählt: Mit einem genuin eigenen Stil in freien wilden Bewegungen und Schnitten, extrem nahem Einstellungen und einem faszinierendem Soundtrack erzeugt er einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Trotz diesem experimentellen, teilweise symbolischen Stil ist er als amerikanischer Filmemacher dramaturgisch spannend und immer nahe an den Figuren. Der Stil verkommt hier nicht zum Selbstszweck. Es ist offen, ob es „Upstream Color“ in die heimischen Kinos schafft. Merken sollte man sich den Namen auf jeden Fall.

[ursprünglich erschienen in ‚Die Dolomiten‘ Mittwoch 13.2.2013]

 

Berlinale Premiere für zu Hause

Wer schon immer einmal live bei einer Berlinale-Premiere dabei sein wollte, hat heute abend die Chance. Zum ersten Mal in der Geschichte der Berlinale wird ein Film, der beim Festival seine Weltpremiere feiert, auch zeitgleich online zu sehen sein. Das hat mit dem Thema des Film zu tun, der den Titel “TPB AFK” trägt: Es geht darin nämlich um die berühmt-berüchtigte Filesharing-Plattform “The Pirate Bay”. AFK heißt “away from keyboard” und steht im Computerjargon für die Welt außerhalb des Internets. Diese Welt holt die drei jungen schwedischen Gründer der Internetseite in Form eines Millionen-Prozesses ein – sie sind zum Zeitpunkt der Premiere im Gefängnis bzw. gesucht. Filmemacher Simon Klose begleitet diesen Kampf David gegen Goliath und stellt sie uns vor. Der Film ist heute abend – übrigens völlig legal –  unter http://watch.TPBafk.tv zu sehen.

[ursprünglich erschienen in „Die Dolomiten“ Freitag 8.2.2013]

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